Ein gewaltiges Tor aus Sandstein, das eher an eine Festung als an einen Tempel erinnert. Die Sonne taucht die Mauern in warmes Gold, und hinter dem Eingang warten Reliefs, deren Farben nach über 3.000 Jahren immer noch leuchten. Willkommen in Habou – einem der beeindruckendsten und zugleich unterschätztesten Orte Ägyptens.
Viele Reisende fahren am Westufer von Luxor direkt ins Tal der Könige und verpassen dabei dieses Juwel. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick. In diesem Artikel beantworten wir alle wichtigen Fragen rund um Habou: Was ist das eigentlich? Wer hat es gebaut? Was sollten Sie unbedingt sehen? Und wie planen Sie Ihren Besuch am besten?
Habou ist die gängige deutsche beziehungsweise französisch geprägte Schreibweise für Medinet Habu. Der arabische Name bedeutet übersetzt ungefähr „Stadt des Habu“. Deshalb spricht man auch oft von der Stadt Habou.
Woher genau das „Habu“ stammt, ist nicht abschließend geklärt. Eine beliebte Theorie verbindet den Namen mit Amenhotep, Sohn des Hapu – einem berühmten Baumeister und Gelehrten unter Pharao Amenhotep III., der später sogar als Heiliger verehrt wurde. Sein eigener Totentempel lag ganz in der Nähe.
Habou liegt am Westufer des Nils gegenüber von Luxor, im Gebiet des alten Theben. Hier befand sich in der Antike die große Totenstadt der Pharaonen.
Zur Orientierung:
Das ist eine der spannendsten Fragen zu Habou. Die Anlage war nie nur ein einzelnes Gebäude. Innerhalb der mächtigen Umfassungsmauer gab es:
In späteren Jahrhunderten lebten hier sogar ganz normale Menschen. Die Anlage entwickelte sich zu einer echten Siedlung – zu einer Stadt im wahrsten Sinne des Wortes.
Möchten Sie Tempel wie Habou abseits der großen Besucherströme entdecken? Auf einer eleganten Dahabeya-Segelreise auf dem Nil reisen Sie in kleiner Runde, legen an stillen Orten an und erleben Oberägypten wie die Entdecker vergangener Zeiten.
Die Umfassungsmauer von Habou umschließt eine Fläche von rund 200 mal 300 Metern.
Der Haupttempel wurde von Ramses III. errichtet, einem der letzten großen Pharaonen des Neuen Reiches. Er regierte im 12. Jahrhundert vor Christus während der 20. Dynastie.
Ramses III. bewunderte seinen berühmten Vorgänger Ramses II. so sehr, dass er sich beim Bau stark am Ramesseum orientierte. Das Ergebnis ist jedoch deutlich besser erhalten – ein großes Glück für heutige Besucher.
Habou war ein sogenannter Totentempel oder, wie Ägyptologen sagen, ein „Tempel der Millionen Jahre“. Seine Aufgabe war es:
Der Pharao selbst wurde nicht hier bestattet, sondern im Tal der Könige. Habou war also der Ort, an dem man ihn verehrte – nicht der Ort seines Grabes.
Ja! Der Ort galt schon lange vorher als heilig. Nach altägyptischem Glauben lag hier ein uralter Urhügel, auf dem die Schöpfung begann und wo die Urgötter ruhten.
Bereits in der 18. Dynastie ließen Hatschepsut und Thutmosis III. hier einen kleineren Amun-Tempel errichten. Dieser Bau wurde über viele Jahrhunderte immer wieder erweitert – bis in die griechisch-römische Zeit hinein.
Die Geschichte von Habou endet nicht mit den Pharaonen:
Späte Zeit: Die „Gottesgemahlinnen des Amun“, mächtige Priesterinnen, ließen hier ihre Grabkapellen errichten.
Interessant: Die christlichen Bewohner verputzten manche Reliefs. Genau dieser Putz hat die Farben darunter über Jahrhunderte geschützt!
Der Winter ist die schönste Zeit für Habou und das Westufer von Luxor. Verbinden Sie Ihren Tempelbesuch mit einer festlichen Nilkreuzfahrt über Weihnachten und genießen Sie die Feiertage zwischen Luxor und Assuan bei angenehmen Temperaturen.
In koptischer Zeit hieß die Siedlung innerhalb der Tempelmauern Djeme. Sie war damals ein wichtiger christlicher Ort am Westufer von Theben.
Schon der Eingang ist ein Erlebnis. Das sogenannte Hohe Tor (auch Migdol genannt) ist einer syrischen Festungsanlage nachempfunden – ungewöhnlich für einen ägyptischen Tempel.
Was Sie erwartet:
Hinter dem Tor erhebt sich der erste Pylon – ein gigantisches Eingangsbauwerk von rund 63 Metern Breite und über 20 Metern Höhe. Auf seinen Flächen sehen Sie Ramses III. in übergroßer Gestalt, wie er Gefangene vor dem Gott Amun erschlägt.
Tipp: Am späten Nachmittag, wenn das Licht flach steht, treten die Reliefs besonders plastisch hervor.
An der nördlichen Außenmauer finden Sie eine der wichtigsten historischen Darstellungen der gesamten Antike: die Kämpfe gegen die Seevölker.
Diese Reliefs zeigen:
Der zweite Hof ist der Ort, an dem den meisten Besuchern der Mund offen stehen bleibt. Hier erwarten Sie:
Schauen Sie unbedingt auch nach oben: An einigen Decken und Architraven sind die Farben besonders intensiv.
Südlich des ersten Hofes lag der Palast des Königs. Von ihm sind vor allem die Grundmauern erhalten. Ein Detail ist jedoch spannend: das Erscheinungsfenster.
Hier zeigte sich der Pharao bei Festen seinem Volk und verteilte Belohnungen an verdiente Beamte. Einst jubelte an dieser Stelle die versammelte Menge ihrem König zu – ein echter Gänsehautmoment für geschichtsbegeisterte Besucher.
Wenn Sie etwas mehr Zeit haben, entdecken Sie auch:
Ein Migdol ist ein festungsartiger Torturm nach dem Vorbild vorderasiatischer Befestigungen. In Habou bildet er als Hohes Tor den Haupteingang der Anlage.
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Ramses III. ist nicht nur für seine Siege bekannt, sondern auch für sein dramatisches Ende. Alte Gerichtsakten berichten von einer Verschwörung im königlichen Harem. Eine Nebenfrau wollte ihren Sohn auf den Thron bringen.
Moderne Untersuchungen an der Mumie des Königs zeigten eine tiefe Schnittwunde am Hals. Vieles spricht also dafür, dass der Anschlag erfolgreich war. Wenn Sie in Habou die privaten Szenen des Königs mit seinen Frauen sehen, bekommen sie plötzlich eine ganz neue Bedeutung.
Habou ist eine der am besten dokumentierten Tempelanlagen Ägyptens. Forscher haben über Jahrzehnte hinweg fast jede Inschrift und jedes Relief genau aufgezeichnet.
Die Gründe für die große Bedeutung:
Hier ein paar Dinge, auf die Sie achten können:
Ja. Habou gehört zur Welterbestätte „Theben mit seinen Nekropolen“, die seit 1979 auf der UNESCO-Liste steht. Damit teilt sich Habou diesen Status mit dem Karnak-Tempel, dem Luxor-Tempel und dem Tal der Könige.
Reisen Sie per Schiff an, starten die Ausflüge zum Westufer meist direkt von der Anlegestelle in Luxor. Wie Routen, Liegezeiten und Landgänge bei einer Flussreise ablaufen, erfahren Sie in unserem Ratgeber mit allem Wissenswerten rund um Nilkreuzfahrten.
Die Seevölker waren Gruppen aus dem östlichen Mittelmeerraum, die im 12. Jahrhundert v. Chr. Ägypten angriffen und von Ramses III. abgewehrt wurden.
So gelangen Sie ganz entspannt zur Tempelstadt:
Für einen gründlichen Rundgang empfehlen sich 1,5 bis 2 Stunden. Wer sich besonders für Reliefs und Geschichte interessiert, kann problemlos einen halben Tag verbringen.
Ein möglicher Rundgang:
Habou passt perfekt in eine Tagesroute am Westufer. Eine bewährte Kombination:
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Die Fahrt vom Stadtzentrum Luxors nach Habou dauert je nach Route über Fähre oder Brücke meist 20 bis 40 Minuten.
Packliste für Ihren Besuch:
In der Regel ist das Fotografieren mit dem Smartphone erlaubt. Für professionelle Ausrüstung, Stative oder Drohnen gelten oft besondere Regeln. Fragen Sie am besten vor Ort nach, da sich Bestimmungen ändern können.
Foto-Tipps:
Absolut – zumindest beim ersten Besuch. Viele Szenen erschließen sich erst durch Erklärungen. Ein erfahrener, lizenzierter Guide zeigt Ihnen versteckte Details, erklärt die Schlachtreliefs und erzählt die Geschichten hinter den Bildern.
Wer lieber allein unterwegs ist, kann sich vorab gut einlesen oder einen Audioguide auf dem Smartphone nutzen.
Ja, Habou ist vergleichsweise gut begehbar:
Welche Verhaltensregeln gelten vor Ort?
Damit Habou noch lange erhalten bleibt:
Viele Nilschiffe starten oder enden in Luxor. So lassen sich Habou und das Westufer leicht in Ihre Reise einbauen. Vergleichen Sie jetzt die Schiffe am Nil und finden Sie die Kreuzfahrt, die zu Ihrem Reisestil passt.
Ja, im Eingangsbereich von Habou stehen Besuchern in der Regel Toiletten zur Verfügung.
Habou ist weit mehr als „noch ein Tempel“. Es ist eine ganze Stadt aus Stein, die Ihnen 3.000 Jahre Geschichte auf einmal erzählt – von mächtigen Pharaonen über dramatische Seeschlachten bis hin zu christlichen Dorfbewohnern.
Wenn Sie also das nächste Mal in Luxor sind, nehmen Sie sich Zeit für Habou. Lassen Sie die Farben auf sich wirken, folgen Sie den Spuren von Ramses III. und entdecken Sie einen Ort, der viele Besucher mehr begeistert als die berühmteren Nachbarn. Versprochen: Habou werden Sie so schnell nicht vergessen!
Habou empfängt deutlich weniger Besucher als Karnak oder das Tal der Könige, obwohl der Tempel außergewöhnlich gut erhalten ist.
Der große Tempel von Ramses III. entstand im 12. Jahrhundert vor Christus und ist damit rund 3.150 Jahre alt. Der kleine Amun-Tempel innerhalb der Anlage ist sogar noch etwa 300 Jahre älter.
Beide sind Totentempel großer Pharaonen am Westufer von Luxor. Das Ramesseum gehört zu Ramses II. und ist heute stark zerstört. Habou wurde von Ramses III. nach dessen Vorbild gebaut, ist aber deutlich vollständiger erhalten und besitzt viel mehr originale Farben.
Ja. Wer nur einen Tag am Westufer verbringt, bekommt in Habou auf kompaktem Raum einen vollständigen Pharaonentempel mit Tor, Pylonen, Höfen und farbigen Reliefs zu sehen. Für viele Besucher ist Habou deshalb die beste Ergänzung zum Tal der Könige.
Ja, das ist möglich. Die Fahrt von Hurghada nach Luxor dauert pro Strecke etwa vier Stunden. Planen Sie einen frühen Start ein und kombinieren Sie Habou am besten mit ein oder zwei weiteren Sehenswürdigkeiten am Westufer, damit der Tag nicht zu anstrengend wird.
Teilweise. Die hohen Mauern, Säulengänge und Durchgänge spenden je nach Tageszeit etwas Schatten. Große Teile der Höfe liegen jedoch in der prallen Sonne. Legen Sie Pausen daher gezielt in die überdachten Bereiche.
Ja. Gegenüber dem Eingang und in den umliegenden Dörfern gibt es einfache Cafés und kleine Restaurants mit ägyptischer Küche. Viele bieten sogar einen Blick auf das Hohe Tor, was sich gut für eine Pause nach dem Rundgang eignet.
Habou ist in der Regel nur tagsüber geöffnet und schließt meist am späten Nachmittag. Die Öffnungszeiten können je nach Saison variieren. Prüfen Sie diese daher kurz vor Ihrem Besuch, um das warme Abendlicht noch innerhalb der Anlage zu erleben.
Im Mittelpunkt steht der Reichsgott Amun, dem der Tempel geweiht ist. Daneben finden Sie Darstellungen des Fruchtbarkeitsgottes Min, des Totengottes Osiris, des Schöpfergottes Ptah sowie der Göttin Maat, die für Ordnung und Gerechtigkeit steht.